„Early Integration“ Warum soll frühzeitig damit begonnen werden? Palliative Care als Weg zu mehr Lebensqualität

HOCHEGG - Laut Studien können eine frühzeitige Integration von Palliative Care und die bewusste Auseinandersetzung mit dem Lebensende die Lebenserwartung von unheilbar Kranken um bis zu drei Monate verlängern. Im Landesklinikum Hochegg wird „Early Integration“ im Rahmen von Teambesprechungen und als Fortbildung präsentiert, um das Pflegepersonal für dieses Thema zu sensibilisieren. Im Interview spricht DGKP Elke Braun über dieses sensible Thema.

Im Verlauf einer unheilbaren chronischen Erkrankung stellt sich vonseiten des betreuenden Klinikpersonals oft die berechtigte Frage: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, mit PatientInnen und Angehörigen über Palliative Care zu sprechen?

DGKP Elke Braun: „Betroffene und ihre Angehörigen befinden sich bei Diagnosestellung einer Krebserkrankung oder einer anderen nicht heilbaren Erkrankung in einer besonderen Ausnahmesituation. Es muss von Medizin und Pflegepersonal ein Bewusstsein darüber geschaffen werden, dass es Möglichkeiten gibt, durch frühzeitige Einbindung von Palliative Care, im besten Fall bei Diagnosestellung, die Lebensqualität der PatientInnen und deren Angehörigen wesentlich zu verbessern.“

„Frühzeitige Integration der Palliative Care schützt vor Übertherapie am Lebensende“, so die Deutsche Gesellschaft der Palliativmedizin. Was bedeutet das konkret?

DGKP Elke Braun: „Unter Early Integration versteht man die frühzeitige und routinemäßige Einbeziehung von Palliative Care in die Behandlungssituation. Palliative Care beschränkt sich nicht ausschließlich auf End of Life Care, sondern sollte frühzeitig in die PatientInnen Versorgung integriert werden. Das Ziel von Early Integration sollte die zeitnahe Erkennung und Behandlung von Krankheitszeichen sein, um eine Verbesserung der Lebensqualität von PatientInnen zu erreichen.“

Diese Erkenntnisse beziehen sich auf Studien und werden noch nicht überall gleichermaßen umgesetzt. Können Sie dazu etwas sagen?

DGKP Elke Braun: „Die 2010 von Dr. J. S. Temel publizierte Interventionsstudie konnte nachweisen, dass PatientInnen mit Lungenkrebs im Stadium IV mit einer onkologischen Standardtherapie und einer frühzeitigen palliativen Betreuung im Rahmen von Ambulanzbesuchen nach Erstdiagnose eine drei Monate längere Lebenserwartung hatten. Es kam zu deutlich weniger Akutaufnahmen in Krisensituationen in ein Klinikum, zu einem besseren Therapieverständnis der Betroffenen und auch weniger psychischen Beschwerden wie Angst oder Depression in der Gruppe von PatientInnen, die begleitend Palliative Care erhielten. Es konnte eine deutliche Besserung der Lebensqualität erzielt werden.“

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die frühzeitige Integration von Palliative Care im Behandlungsplan umzusetzen?

DGKP Elke Braun: „Erste Voraussetzung ist natürlich, dass eine heilende (kurative) Therapie nicht mehr möglich und die Lebenserwartung der Patientin bzw. des Patienten begrenzt ist. Das Thema Early Integration setzt eine enorme Qualität auf vielen Ebenen vonseiten des interprofessionellen Behandlungsteams voraus. Pflegepersonen benötigen für die Umsetzung einer palliativen Grundhaltung hohe fachliche, soziale und ethische Kompetenzen. Die Aus- und Weiterbildung der Pflegepersonen der Palliativstation sollte ebenso gewährleistet sein wie die interprofessionelle Kommunikation im Klinikum. Eine weitere Voraussetzung ist die Fortbildung von Early Integration auf anderen Stationen, auflegen von Informationsbroschüren und externe Vernetzung.

Wichtig ist auch, die Aufklärung durch den betreuenden Onkologen und Palliativmediziner im Ambulanzbereich und den Stationen. Ebenso wichtig ist eine konstruktive interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit der Teams.“  

Wie gehen Sie und Ihr Team mit den psychischen Belastungen um, die Ihre Arbeit mit sich bringt?

DGKP Elke Braun: „Achtsamkeit und Wertschätzung im Kollegium und Psychohygiene durch Intervision im interdisziplinären Team und regelmäßige Teilnahme an Supervision sind entscheidende Faktoren um mit den psychischen Belastungen des Stationsalltags umzugehen“.

Stationsleitung DGKP Mary Lechner, MSc: „Meine Zukunftsvision ist, das Projekt „Early Integration“ von DGKP Elke Braun im Landesklinikum Hochegg zu implementieren.“

INFO:
Palliation
umfasst die PatientInnen und deren Umfeld – zu Hause, im Akutkrankenhaus und in Pflegeeinrichtungen. Palliative Care ist ein Konzept zur Beratung, Begleitung und Versorgung schwerkranker Menschen mit nicht heilbarer Erkrankung.

Wenn am Lebensende von einer Therapiezieländerung die Rede ist, so ist in der Regel die bewusste stufenweise vollzogene Abkehr von einer auf Heilung ausgerichteten Behandlung zu einer vornehmlich oder ausschließlichen palliativen Sorge die Rede (Bundeskanzleramt – Bioethikkommission, 2015).

Das Landesklinikum Hochegg im südlichen Niederösterreich besteht seit 1920 und war in seinen Anfängen eine Lungenheilanstalt. Heute beherbergt das moderne Klinikum, das auch Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universität Wien ist, mit seiner Pulmologie, Palliativeinheit und Neurologie drei hochspezialisierte Abteilungen, die weit über Niederösterreich hinaus Anerkennung für ihre Expertise genießen.


BILDTEXT (v.l.n.r.)
Pflegedirektorin Dipl. KH-BWin Christa Grosz, MBA, MBA; Stationsleitung DGKP Maria Lechner, MSc; DGKP Elke Braun, Pflegedirektorin-Stv. DGKP Ilse Kleinrath, MBA

Foto: LK Hochegg


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