Welt-Parkinson-Tag: hohe fachliche Expertise im Landesklinikum Hochegg

Der 11. April steht jedes Jahr im Zeichen des internationalen Welt-Parkinson-Tages. Im Landesklinikum Hochegg setzt man alles daran neue Konzepte zur Behandlung der Parkinsonkrankheit umzusetzen.

Die Parkinsonkrankheit beginnt schleichend mit einem leichten, oft einseitigem Zittern, vorwiegend in Ruhe. Meist sind die Hände betroffen, seltener auch die Füße.

Patientinnen und Patienten berichten oft über eine Verlangsamung der Bewegungen, eine zunehmende Unsicherheit beim Gehen oder eine Muskelsteifheit. Häufig fällt auch eine Minderung des Gesichtsausdruckes auf. Die Diagnosestellung erfolgt jedenfalls durch einen Facharzt für Neurologie.

„Klassische medikamentöse Therapien zielen darauf ab, den fehlenden Botenstoff Dopamin zu ersetzen. Im längeren Krankheitsverlauf stehen auch spezielle Therapien wie die Gabe von flüssigem Dopamin mittels einer Pumpe über eine spezielle Magensonde oder nun auch subcutan zur Verfügung. Eine weitere Therapieoption stellt die subcutane Gabe von Apomorphin dar. „Auf diese beiden genannten Therapieformen ist das LK Hochegg spezialisiert“, erklärt OA Dr. Johann Rappold, interimistischer Leiter der Neurologie. Eine weitere Therapieoption ist die sogenannte „tiefe Hirnstimulation“.

„Die Neurorehabilitation hat als begleitende Therapie einen hohen Stellenwert, der in vielen kontrollierten Studien nachgewiesen werden konnte. Besonders der Physiotherapie kommt eine wichtige Rolle in der Verbesserung der Bewegungsfähigkeit zu. So hat z.B. auch das Tanzen einen positiven Effekt auf den Verlauf der Erkrankung. Eine spezielle Therapieform ist das „Cueing“, bei dem sensible, akustische oder visuelle Reize gesetzt werden, um Bewegungen wieder in Gang zu setzen. Unser geschultes Therapeutenteam am LK Hochegg setzt Erkenntnisse aus der Parkinsonforschung professionell ein und leistet so einen wichtigen Beitrag im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes“, erläutert OA Rappold weiter. 

Dr. Sebastian Rogalinski, OA im Landesklinikum Hochegg ist Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation: „Werden Patienteninnen oder Patienten mit einer Parkinsonerkrankung im fortgeschrittenen Stadium stationär aufgenommen, wird im interdisziplinären Therapieteam (Ärzte, Pflege, Therapeutenteam) besprochen, wie die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie optimiert werden kann. In Niederösterreich ist die personalisierte Medizin bei Morbus Parkinson, wie auch bei anderen schweren Erkrankungen, bereits Standard. Einen wichtigen Beitrag leisten hier die sogenannten Parkinson-Nurses, hochspezialisiert in der Betreuung von an Parkinson erkrankten Patientinnen und Patienten liegen besondere Schwerpunkte im Tun dieser Pflegepersonen in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Medikamentenpumpen oder auch tiefen Hirnstimulatoren. Weitere Aufgabengebiete sind die psychologische Betreuung von Betroffenen und Angehörigen, sowie das Management von möglicherweise im Verlauf auftretender Begleitsymptomen wie Schmerzen, kognitive Beeinträchtigungen oder Stimmungsschwankungen.

Um eine optimale Versorgung von Parkinson-Patientinnen und –Patienten zu erreichen, hat unser Parkinson-Team von Expertinnen und Experten im Landesklinikum Hochegg bereits im Februar 2023 eine interdisziplinäre Parkinson-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Ziel ist, durch die gezielte Abstimmung von Pflegezeiten und Therapiezeiten sowie der medikamentösen Therapie und ggf. weiterführender Therapien die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.“

 

INFOBOX

Die Parkinsonkrankheit ist neben der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Im Gehirn kommt es zu einem langsamen Verlust von Nervenzellen, welche den Botenstoff Dopamin produzieren. Fehlt Dopamin, können elektrische Impulse in einem bestimmten Bereich des Gehirns schlechter übertragen werden, was zu den typischen Symptomen führt. Als Ursache des Nervenzellunterganges wird die Ablagerung von verklumptem körpereigenem Eiweiß (Alpha-Synuclein) angesehen. Dieses kann interessanterweise schon in frühen Stadien der Erkrankung in Nervenzellen des Darmtraktes nachgewiesen werden und möglicherweise von dort über Nervenbahnen ins Gehirn gelangen. Die Erforschung dieser Darm-Hirn-Achse ist derzeit Gegenstand von Untersuchungen.

In Österreich geht man von etwa 20.000 Betroffenen aus, der Anteil der unter 45-jährigen liegt unter 10 Prozent. Männer sind etwas häufiger betroffen. Die Ursache ist noch nicht vollständig aufgeklärt, genetische Faktoren und Umweltfaktoren dürften jedenfalls eine Rolle spielen.
hochegg.lknoe.at

 

BILDTEXT (v.l.n.r.)

OA Dr. Sebastian Rogalinski; DGKP Judith Tymciw, Parkinson-Nurse; DGKP Katharina Scherz, Parkinson-Nurse; OA Dr. Johann Rappold, interimistischer Abteilungsleiter Neurologie

Foto: LK Hochegg
 

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